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Bismark oder Bismarck in Schierstein?

In Schierstein herrscht immer mal wieder Verwirrung, ob es jetzt Bismark oder Bismarck heißen muss. Die salomonische Antwort lautet: „Sowohl als auch!“

Fangen wir mit der einfachen Variante an.

Bei der 125-jährigen Bismarckeiche im Quartier Söhnlein südlich des ehemaligen Schiersteiner Bahnhofsgebäudes hilft beispielsweise die Dissertation von Barbara Kaufhold, die 2002 an der Ruhr-Universität Bochum eingereicht wurde:

Vor der Prunkhalle an der westlichen Ecke der Bahnkellerei steht die stattliche „Bismarckeiche“, die, 1895 noch als Eichensprößling aus dem Sachsenwald, als Gegengabe für ein Sektgeschenk an den Reichskanzler ankam. Nahe der Eiche wurde eine Gedenksäule, die eine eingelassene Kupferplatte mit einem Bismarckportrait zierte, angebracht, um die gesuchte Verbindung zu betonen.

Quelle:
  webdoc.sub.gwdg.de/ebook/dissts/Bochum/Kaufhold2003.pdf, Seite 157


Bismarckeiche 2020 vor der ehemaligen Söhnlein-Prunkhalle
Foto: © Walter Richters

  Bismarckeiche im Stadtplan
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Zur Schreibweise der Bismarksaue möchten wir einen Artikel zitieren, der offenbar im Wiesbadener Tagblatt erschienen ist:

Die von Bismarks und der Zehnthof

Ein denkwürdiges Kapitel nassauischer Geschichte / Mit dem Rheingau stets verbunden gefühlt

Als kürzlich von der Niederlegung des Zehnthofs in Schierstein berichtet wurde, fiel auch der Name seiner früheren Besitzer. Doch war er fälschlich mit „ck" geschrieben! Es ist die Familie von Bismark, eine Zweiglinie des Geschlechts, dem der Altreichskanzler Otto von Bismarck-Schönhausen angehört. Wie kamen nun die Bismarks in den Besitz des Bleidenstadter Zehnthofs? Seit 1184 durch eine Urkunde des Papstes Lucius III. unter den Besitzungen des Klosters Bleidenstadt nachzuweisen, jedoch vermutlich schon unter Ludwig dem Deutschen Mittelpunkt königlicher Besitzungen in Schierstein, war das Anwesen 1803 bei der Säkularisation des geistlichen Besitzes in die Hände des nassauischen Staates gelangt.

Dank für Verdienste

Für besondere Verdienste um Nassau in den krisenerfüllten Tagen der napoleonischen Zeit belohnte Herzog Friedrich August von Nassau (1806 bis 1816) seinen Oberhofmarschall Johann Heinrich Ludwig von Bismark (1774 bis 1816) mit dem Stiftshof nebst zugehörigem Gut und Weinbergen bester Lagen.
In den nassauischen Staatsdienst war Ludwig von Bismark durch die Übernahme der Offiziere des Scheiterschen Jägerkorps der 1803 aufgelösten kurmainzischen Armee gekommen. Auch seinen Bruder Friedrich hatte L. v. Bismark herbeigezogen, der ebenfalls eine besondere Rolle am nassauischen Hof und als Offizier in der napoleonischen Zeit gespielt hat.

Merkwürdige Parallele

Nun ergibt sich eine merkwürdige Parallele beider Bismarklinien: Der Sohn Ludwigs, Friedrich August von Bismark, bei dem der erste Herzog Nassaus Pate gestanden hatte, wurde Jurist, zuerst im preußischen und von 1844 an im nassauischen Staatsdienst. Mit neun Jahren war er durch den König von Württemberg in den Grafenstand erhoben worden, nachdem sein Onkel Friedrich zwei Jahre zuvor im Dienst des Württembergers ebenfalls Graf geworden war.

Graf Bismark-Schierstein wurde im März 1866 zum nassauischen Gesandten beim Deutschen Bundestag ernannt. (1862 hatte Herzog Adolf die Beifügung des Ortsnamens zum Personennamen gestattet. als das Schiersteiner Gut zum Familienfideikommiß erklärt wurde.) ...

Der Rest des Artikels, laut handschriftlichem Vermerk 1965 im „Wiesbadener Tagblatt“ erschienen, befasst sich mit dem „Eisernen Kanzler“ Otto von Bismarck. Der Artikel ist gezeichnet mit FINK. Das genaue Erscheinungsdatum liegt im Augenblick nicht vor.

Die Bismarksaue gehörte zum Gut der Schiersteiner Grafen und hat daher ihren Namen.

Um auch das nicht zu verschweigen: In einigen Dokumenten tauchen auch die Schiersteiner Bismarks als Bismarck auf. Einwohnermeldeamter gab es damals noch nicht, und man nahm es früher manchmal mit der Schreibweise nicht so genau.


Grabstein des Grafen Friedrich August Ludwig von Bismark im Schiersteiner Heimatmuseum
Foto: © Walter Richters

  Bismarksaue im Stadtplan